Mob 2.0 – ein Interview mit Jaron Lanier

Ich weiß ja nicht, wie es unseren Lesern geht, aber den Gebrauch des Begriffs Web 2.0 empfinden wir schon seit geraumer Zeit etwas anstrengend. Dieses vermeitliche Gütesiegel wird mittlerweile beinahe jedem Konzept, jeder Strategie, jedem Kongress umgehängt. Einfach weil es so einfach ist. Plötzlich ist man wieder hip und – wie es immer so schön heißt: "modern". Allein, es wird zu wenig darüber diskutiert. In Brand's new Toy diskutieren wir ausführlicher die Rolle des Mobiltelefons bei der Erstellung von Consumer Generated Content auf dem Handy. Schnell kann man sein Fotos via Mobile in seinen Flickr Account senden, um diesen der erstaunten Weltöffentlichkeit zu präsentieren. So weit. So gut. Ebenso interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich die Frage wie Brands von diesem Content profitieren können. Erleben wir den Anbruch eines neuen Zeitalters, in dem Marken ihre Gestaltungshoheit an die neue Majestät Konsument abgegeben?

 Jaron Lanier, der selbst an einigen der aktuellen Sensatione wie Second Life maßgeblich mitgewirkt hat, äußert sich kritisch über die Euphorie zum Phänomen "Wisdom Of The Crowd" (benannt nach dem gleichnamigen Buch von James Surowiecki). Hier werden die Entscheidungen des Menschen-Schwarms über die des genialen Einzelnen gesetzt. Massen treffen die besseren Entscheidungen als einzelne Fachleute, so die These. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 13. Dezember 2006 bekennt sich der Netz-Pionier zu den positiven Aspekten der Online-Enzyklopädien und Internettagebüchern, bügelt jedoch Hoffnungen auf eine Heilsbotschaft des Web 2.0 gehörig ab: "Es gibt keine Schwarmintelligenz". Im Gründe könne jedermann das Web dazu nutzen, Massen zu verführen und zu manipulieren, so die Jaron Lanier. "Das Internet läuft Gefahr eine Monokultur zu unterstützen". Der Grund dafür liegt nicht darin, dass jemand manipulieren will. Er ist vielmehr in einer sich falsch entwickelnden Technik zu suchen:

"Internet basiert auf einer Technologie. Diese schlägt ein System vor, in welchem Menschen ihre Identitäten verlieren und Teil eines neuen Massenmediums werden sollen. Es wird eine Art Erlösung behauptet, wenn jemand anonyme Artikel für die Online-Enzyklopädie Wikipedia einstellt oder in anderen Datenbanken Photos und Videos teilt. Momentan ist das alles noch harmlos. Aber in 10 oder 20 Jahren, werden wir komplett darin eingetaucht sein. Das Internet wird alles vermitteln. Darin liegt die Gefahr (…) Das einzig Positive am Internet (…) besteht darin, dass es möglichst viele kreative Menschen Individuen schnell und unkompliziert zusammen bringen kann. Aber dann müssen die Leute außerdem noch eine gute Idee haben und anschließend hart arbeiten, um die Idee zu einem marktfähigen Produkt zu machen."

User generated Content hin oder her. Nicht nur Werbekreative werden also auch in 10-20 Jahren noch gebraucht. 

.

 

N24 sucht Augenzeugen mit Video-Handy

Wer sich selbst als talentierten Handyvideo-Filmer oder Handy-Fotograf bezeichnen würde und immer wieder in ungewöhnliche Situationen gerät, der sollte sich vielleicht den folgenden Aufruf von N24 ansehen.

ScreenshotWie man sieht, zieht die Idee des "Consumer Generated Content" so langsam auch hierzulande ihre Kreise. Nachdem in den USA schon Fernsehsender wie current.tv existieren, die ihr gesamtes Programm von den Usern erstellen lassen, konnte sich wohl auch ein Nachrichtensender wie N24 dieser Thematik nicht weiter verschließen.

Auch im Buch "Brand's New Toy" gehen wir auf dieses spannende Thema natürlich dediziert ein.

 

 

 

  

Mobile Content statt neuer Songs: Mobo Celebs

Unter dem Wahlspruch "Pick a celeb… and join today" wirbt der Dienst Mobi Celebs seit geraumer Zeit für mehr Subscriber. Geboten werden private Foto-Alben zum Download, die halbwegs bekannte Bands und Solisten selbst mit ihrer Handy-Kamera aufgenommen haben und die dann auf die Handys der Konsumenten versendet werden. Eigentlich die perfekte Ergänzung zu neuen nichtssagenden Songs. Tatsächlich ist dort aber nicht sehr viel los.

Warum wir diesen Dienst trotzdem erwähnen? Nun, eigentlich ist die Idee, bekannte Gesichter zur Produktion von eigenen Mobile Content zu gewinnen gar nicht mal so schlecht. Die Personen müssten halt nur interessant sein und dass, was sie zu zeigen haben, müsste ebenso spannend sein. Wie wäre es mit einem Foto-Album von Lars von Trier? Das würden wir uns zum Beispiel sehr gerne ansehen. Noch viel lieber sogar ein Mobile Video, welches ideal zum (mittlerweile allerdings aufgegebenen) Dogma-Stil es dänischen Regisseurs passen würde.

Mehr Informationen – hier.